15
Mär 2018

Wohnen in den Alpen – Geschichte und Ausblick


Wer an die Alpen denkt, denkt an Berge und Schnee. Vielleicht auch an Einsamkeit. Doch entgegen vieler Vermutungen sind die Menschen nicht nur von der Landschaft fasziniert, sondern haben sich auch schon vergleichsweise früh hier niedergelassen. Dass es hierbei selbstverständlich auch auf spezifische Charakteristika Rücksicht zu nehmen gilt, ist verständlich. Immerhin spielen beim Wohnen bzw. Bauen in den Alpen nicht nur das Klima, sondern auch die Höhe und die dementsprechende Vegetation eine tragende Rolle.

Heute zeigen unter anderem die malerischen Almen, dass Menschen hier seit hunderten von Jahren ihre Spuren hinterlassen. Keine Frage: unberührte Natur sieht anders aus.

Eine kleine Zeitreise

Die Alpen zeichnen sich bei Weitem nicht nur durch Berge aus. Die Landschaft ist besonders vielseitig.

Die ersten Menschen kamen vor circa 1 Million Jahren in die Alpen. Seither üben sie -manchmal mehr, manchmal weniger- einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Landschaft aus. Im Vergleich jedoch dazu, dass die Alpen vor circa 130 Millionen Jahren entstanden, handelt es sich beim Menschen um einen eher spät in Erscheinung tretenden Protagonisten.

Besonders in der Zeit des Heiligen Römischen Reiches gewannen die Alpen jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Die Römer betrieben bekanntermaßen einen regen Handel, in dessen Zusammenhang auch Strecken über die Alpen überquert werden mussten.

In touristischer Hinsicht wurde dieses besondere Areal dann im 19. Jahrhundert interessant. Und heute? Heute stellen die Alpen -mit Hinblick auf deren Besiedlung und die menschlichen Einflüsse- einen Mix aus Moderne und romantischen Tälern dar.

Erste menschliche Schritte in den Alpen

Die Römer machten den Handel über die Alpen populär.

Wer einen Blick zurück in die Phase der letzten Eiszeit wagt, erkennt schnell, dass die Alpen zu dieser Zeit in vielen Bereichen einen Wald darstellten. Wiesen kamen vergleichsweise selten vor. Doch gerade im Bereich der Alpenrasen zeigte sich schon früh eine besondere Pflanzenvielfalt, die charakteristisch für die Region werden sollte.

Vor circa 1 Million Jahren kamen die Menschen zum ersten Mal mit den Alpen in Kontakt. Historische Funde zeigen zudem auf, dass auch im Laufe der Eiszeit hier immer wieder gejagt wurde. Entsprechende Funde, die auf die jeweiligen Aktivitäten hindeuten, stammen aus der Zeit zwischen 70.000 und 40.000 vor Christus. Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Fundstücke, die auf rege Handelsaktivitäten über die Alpen schließen lassen. So wurden unter anderem nicht nur Schmuckstücke, sondern auch Alltagsgegenstände gefunden.

Frühes Wohnen in den Alpen

Wie heute auch, entschied zu einem nicht unerheblichen Teil das Klima, wo Menschen sich in den Alpen niederließen. Sowohl Täler als auch Berghänge waren bzw. sind bis heute noch sehr beliebt, wenn es darum geht, dauerhaft in den Alpen zu wohnen. Gerade zu Beginn der entsprechenden Siedlungsaktivitäten, im 6. Jahrtausend vor Christus, war hier der südliche Raum der Alpen beliebt. Wieso? Die Region zeichnete sich durch ein eher mediterranes Klima aus und bot damit viele Eigenschaften, die das Leben in den Alpen möglich machten.

  • Wohnen in den Alpen: Um hier Platz zu schaffen, wurden Wälder gerodet. Weiterhin sorgte das Halten von Vieh für eine weitestgehend stabile Versorgung bzw. Nahrungsquelle. Viele Regionen eigneten sich, aufgrund des entsprechenden Klimas, auch optimal zum Anbau von Getreide.
  • Straßen in den Alpen: Die ersten Straßen in den Alpen wurden aus militärischen Gründen erbaut, als die Römer sich ihre Wege bahnten. Besonders interessant: viele -noch heute bekannte Städte- sind ehemalige Militärlager der Römer.
  • Herstellung & Handel von Produkten: Durch die Reiseaktivitäten verstärkte sich auch der Handel in der Region. Vergleichsweise schnell entwickelten sich charakteristische Produkte, in deren Zusammenhang immer öfter auf die Herstellung in den Alpen verwiesen wurde. Nachdem die Römer jedoch die entsprechenden Lager nicht mehr unterhielten, veränderte sich auch der Handel wieder. Von nun an wohnten weniger Menschen in den Alpen. Die Landwirtschaft bildete wieder die Basis für die eigene Verpflegung.

Es wird wärmer – der Wohnraum in den Alpen verändert sich

Vor allem ab dem Jahr 1000 wurde es in den Alpen immer wärmer. Dies hatte zur Folge, dass sich auch die landwirtschaftlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten änderten. Eine besondere Zäsur stellt hier vor allem der Beginn des Mittelalters dar. Zu dieser Zeit wurden nicht nur viele landwirtschaftliche Geräte erfunden bzw. optimiert, sondern auch viele kulturelle Charakteristika entwickelt.

Stadt trifft Bergmenschen

Um die Wege durch die Alpen noch komfortabler antreten zu können, wurde die Infrastruktur nach und nach angepasst.

Die Berge der Alpen faszinierten nicht nur ihre eigenen Bewohner, sondern auch die Menschen in den Städten. So gilt das 18. Jahrhundert beispielsweise als der Zeitraum, in dem es für die Kletterer zum ersten Mal interessant wurde, die Berge der Alpen zu erklimmen. Spätestens jetzt trafen auch „Stadt-“ auf „Landmenschen“. Erstere fanden zunehmend Gefallen daran, die Alpen nicht nur kurzfristig zu besuchen, sondern auch ebenfalls längerfristig zu wohnen.

Hier jedoch ein Haus zu kaufen, erwies sich teilweise ebenso teuer wie das Buchen eines Urlaubs. Genau das hält viele Menschen (mit entsprechendem Budget) jedoch nicht davon ab, hier beispielsweise auch Ski zu fahren oder ihre „schönsten Wochen des Jahres“ zu buchen.

Vielleicht auch mit dem Hintergedanken, „besonders“ bleiben zu wollen, wurden in den Alpen zum Beginn des 19. Jahrhunderts verstärkt Luxushotels gebaut, die dann -dank des Fortschritts bzw. der Erfindung der Eisenbahn- noch besser erreichbar waren.

Technik, Bauen und der Weg durch die Alpen

Keine Frage: Wer Zeit in den Alpen verbringen bzw. hier leben wollte, brauchte die entsprechenden Möglichkeiten, um von A nach B zu gelangen. Dies geschah nach Wahl und im Laufe der Zeit auf der Basis von Transitrouten, Bergbahnen und einer Zahnradbahn. Weiter ging es mit verschiedenen Straßen, Brücken und der Autobahn.

Wer dann -nach dem Zweiten Weltkrieg- in die Alpen ziehen wollte, profitierte von vielseitigen logistischen Möglichkeiten.

Natur und Wohnen in den Alpen

Die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen für das Wohnen und auch den Tourismus in den Alpen interessieren, hat Spuren hinterlassen. So wich die Natur nach und nach der bebauten Fläche. Die Anzahl der Straßen vermehrte sich teilweise schlagartig. Die Folge: die Natur leidet, Regenwasser versickert in vielen Regionen schlechter und die Gefahr von Überschwemmungen steigt.

Wer heute in den Alpen besonders modern wohnen möchte, zieht nach Grenoble oder Innsbruck. Hierbei handelt es sich um Städte, die sich im Laufe der Jahrzehnte besonders drastisch vergrößert haben und einen entsprechenden Zulauf genießen. Den Gegenpol zu besagten Großstädten bilden die Täler. Die Möglichkeiten der Landwirtschaft dort werden jedoch heute nur noch vergleichsweise wenig ausgeschöpft. Die Menschen ziehen tendenziell eher in die Städte, um -wie im Zusammenhang mit der Industrialisierung des 18. und 19. Jahrhunderts- hier Arbeit zu finden.

Die Folge: Die Landwirtschaft in den Alpen spielt eine entsprechend eher untergeordnete Rolle. Viele Bereiche liegen brach und verwildern wieder.

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